IMRPESSUM
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Nr. 5 Gula ist rosa mes Paradies. Zauberhaft geschmückt mit handgemachten Torten und allerlei anderem Süßkram, bespielt sie eine Zelle in der ehemaligen JVA in Magdeburg. Jeder verfällt. Es stimmt etwas nicht mit dem Hunger - und dem Sättigungsgefühl in der Konsumgesellschaft, jeder weiß es und trotzdem will der Betrachter teilhaben an dieser innigen Fresserei. Ich lasse mir jeden Happen auf der Zunge zergehen, es ist fast intim. Wie du mich anschaust wenn du diesen wundersamen Happen zu meinem Mund führst. Füttern und gefüttert werden. Bei richtiger Völlerei geht die Genussfähigkeit verloren sagt die Theorie und bestätigt damit das Scheitern des hedonistischen Prinzips: Die Zufuhr von permanent verfügbaren glücksverheißenden Dingen macht das lustvolle Erleben zunichte. Ich höre mich selbst schmatzen. Ich zelebriere mein Schmatzen. Ich überschmatze alles und höre euch nicht mehr. Nach katholischer Tradition lässt das den Menschen undankbar gegenüber Gott und der Gabe des Lebens werden. Die Strafe für diese Todsünde ist danach die Verbannung in die Hölle und das Erleiden ewiger Schmerzen. Ich versuche zu schlucken, die Sahne klebt auf meiner Zunge, ich würge süßen Brei, er fließt raus, ich stopfe ihn wieder rein. Alles mischt sich auf mir und in mir.

rosa me – Nr.5 GULA
neue Sinnlichkeit

JVA Magdeburg (DE), 2015
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